Handlungsfeld 1

Forschungsförderung –
Krankheiten vorbeugen und heilen

Unsere Ziele

  • Gesundheit fördern und Krankheiten gezielter vorbeugen
  • Erkrankungen früher erkennen und wirksamer behandeln
  • Lebensqualität von Patientinnen und Patienten verbessern

Forschung zu Volkskrankheiten stärken

Volkskrankheiten werden wir weiter entschlossen bekämpfen. Krebs und psychische Erkrankungen bilden dabei einen Schwerpunkt. Wir treiben die Ursachenforschung voran, um innovative Präventions- und Therapiemodelle gezielt zu entwickeln.

Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Erkrankungen der Atemwege, Demenz, Infektionskrankheiten oder Diabetes beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen und sind weltweit für einen Großteil der Todesfälle verantwortlich. Zugleich belasten die Krankheitskosten unsere Sozialsysteme und damit unsere Volkswirtschaft. Mit der Gründung der ersten sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung wurde auf Initiative der Bundesregierung die Forschung zu Volkskrankheiten maßgeblich gestärkt. Dieser differenzierte Ansatz wird ergänzt durch einen übergeordneten Blick auf die Erkrankungen, wie sie ihn beispiels- weise die Systemmedizin einnimmt. Aus dem Verständnis gemein- samer Mechanismen und Krankheitsprozesse können sich Ansätze für neuartige Therapien und Prävention ergeben. Nicht selten entscheidet unsere Lebensweise – Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkoholkonsum und dauerhafter Stress – erheblich über das individuelle Erkrankungsrisiko.

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

Hier erfahren Sie mehr zu den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung:

gesundheitsforschung-bmbf.de

Der Einfluss unterschiedlicher Lebensstilfaktoren auf Gesundheit und Krankheit und eine alltagsbezogene Gesundheitsförderung und Prävention müssen daher noch stärker Gegenstand der Forschung sein. Hierbei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die Basis für eine gesunde Lebensführung in Kindheit und Jugend gelegt wird.

Nur wenn junge Menschen ein entsprechendes Problem- und Gesundheitsbewusstsein entwickeln und sich Gesundheitskompetenzen aneignen, können sie sich später gesundheitsbewusst verhalten und sind mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu erreichen. Schließlich nehmen auch Umweltfaktoren oder das Zusammenspiel Mensch – Tier – Umwelt eine immer größere Rolle bei Entstehung und Verlauf aller großen Volkskrankheiten ein.

# „Seltene Erkrankungen“ betreffen viele Menschen

Bedeutsam ist auch die große Gruppe Seltener Erkrankungen, von denen jede einzelne nur wenige Menschen betrifft, die in ihrer Gesamtheit jedoch so häufig wie eine Volkskrankheit sind. Allein in Deutschland leiden mehr als vier Millionen Menschen an einer der mehr als 6.000 Seltenen Erkrankungen. Oft handelt es sich um sehr schwere Krankheiten, die eine aufwendige Behandlung und Betreuung erfordern. Derzeit ist nur für etwa die Hälfte der Seltenen Erkrankungen die Ursache bekannt.

Wir werden die Forschung zu den Ursachen der Volkskrankheiten, ihrer Epidemiologie, ihrer Prävention und Behandlung weiter stärken. Schwerpunkte werden dabei sein:

Eine Nationale Dekade gegen Krebs gestalten

Derzeit erhalten jedes Jahr in Deutschland etwa eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs. Auch junge Menschen und Kinder sind betroffen. Dank des medizinischen Fortschritts bedeutet eine Krebsdiagnose heute oft kein Todesurteil mehr. Bei etlichen Krebsarten besteht die Chance auf eine dauerhafte Heilung. Denn die Krebsforschung hat viele neue Erkenntnisse zu Vorbeugung, Früherkennung, Behandlung und Nachsorge gewonnen. Die bahnbrechende Entdeckung, dass Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können, wurde sogar mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Mehr als 100 Millionen Mädchen weltweit wurden seitdem gegen diese Viren geimpft und sind so besser gegen Gebärmutterhalskrebs geschützt.

Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre lautet: Jeder Krebs ist anders. Die personalisierte Krebsbehandlung nimmt daher einen immer größeren Stellenwert ein.

Um eine gezielte Behandlung zu ermöglichen, muss die Grundlagenforschung eng mit der anwendungsnahen klinischen Erforschung innovativer therapeutischer und diagnostischer Ansätze verknüpft werden. Die Krebsforschung in Deutschland nimmt im weltweiten Vergleich eine Spitzenposition ein. Das Deutsche Krebsforschungszentrum spielt dabei als größte nationale Krebsforschungseinrichtung eine zentrale Rolle.

In patientenorientierten Forschungszentren sind Forschung und Krankenversorgung eng verzahnt, zum Beispiel im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung und im Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen. Dadurch können die Betroffenen frühzeitig vom medizinischen Fortschritt profitieren. Mehr Forschungsanstrengungen sind jedoch notwendig, um die Heilungschancen von Krebspatientinnen und -patienten weiter zu verbessern.

Mit der Nationalen Dekade gegen Krebs wird erstmalig eine bundesweite nationale Gesamtstrategie zur Krebsforschung aufgelegt, die auf eine verbesserte Zusammenarbeit und Vernetzung zielt – von hochinnovativer Spitzenforschung bis zur behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Hierdurch soll es allen Menschen in Deutschland ermöglicht werden, von der Spitzenforschung zu profitieren, unabhängig vom Wohnort – selbst weit ab von Universitätskliniken, Krankenhäusern der Maximalversorgung oder Forschungszentren. Partnerinnen und Partner aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden mit vereinten Kräften die Nationale Dekade gestalten mit der gemeinsamen Zielsetzung, die Krebsforschung in Deutschland zu stärken, möglichst viele Neuerkrankungen zu verhindern und Krebspatientinnen und Krebspatienten eine positive Perspektive zu geben.

Alle Aktivitäten der Nationalen Dekade gegen Krebs können Sie bei Twitter unter dem Hashtag XgegenKrebs und auf der Homepage der Initiative verfolgen:

dekade-gegen-krebs.de

Forschung zu psychischen Erkrankungen nachhaltig ausbauen

# Hauptauslöser gesundheitsbedingter Frührenten

Laut Weltgesundheitsorganisation leidet jeder dritte Mensch mindestens einmal im Leben unter einer Depression oder einer anderen psychischen Störung. Psychische Erkrankungen, zu denen auch Abhängigkeitserkrankungen zählen, belasten die Betroffenen und ihre Angehörigen erheblich und wirken sich deutlich auf die Lebensqualität aus. Untersuchungen verschiedener Krankenkassen zeigen zudem, dass diese Erkrankungen in Deutschland mittlerweile der zweithäufigste Grund für betriebliche Fehlzeiten und die Hauptursache für gesundheitsbedingte Frührenten sind. Sie führen darüber hinaus zu überdurchschnittlich langen Krankschreibungen. Daher ist es wichtig, die medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlungsansätze weiterzuentwickeln und ihre Wirkung systematisch zu untersuchen.

In neue Diagnose-, Therapie- und Präventionskonzepte müssen molekularbiologische, psychologische, medizinische sowie sozialwissenschaftliche Erkenntnisse ebenso einfließen wie das Wissen über soziokulturelle und umweltbezogene Risikofaktoren.

Die zunehmende Digitalisierung bietet hier ein enormes Potenzial, etwa bei internetbasierten Präventions- und Therapieansätzen. Zudem ist es wichtig zu berücksichtigen, dass häufig mehrere psychische Erkrankungen zusammen auftreten – oft auch kombiniert mit körperlichen oder Suchterkrankungen, wie Alkohol- und Drogensucht, zunehmend auch Spiel- und Internetsucht.

Auch besondere Lebenserfahrungen können die psychische Gesundheit beeinflussen und das Risiko für eine psychische Erkrankung erhöhen. Traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder Vernachlässigung im Kindesalter oder im Zuge von Flucht und Migration stellen eine enorme Belastung für die Betroffenen dar. Hier muss die Forschung neue Wege der Therapie und Versorgung aufzeigen. Dabei sind neben Risikofaktoren auch vorbeugende Faktoren in den Blick zu nehmen. Hierbei ist auch auf technologische Entwicklungen zu reagieren, die neue Präventions- und Therapieansätze ermöglichen, beispielsweise durch niederschwellige, internetbasierte Zugangsmöglichkeiten.

Diese und andere Fragen werden von der deutschen Forschungslandschaft verfolgt. Im Bereich der psychischen Erkrankungen ist die deutsche Forschungslandschaft hervorragend aufgestellt. Psychiatrische Forschung auf internationalem Niveau ist in vielen Universitäten fest verankert. Sie wird ergänzt durch herausragende außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen, wie das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

# Zielgruppenspezifische Forschungsansätze

Das Bundesministerium für Gesundheit fördert im Rahmen seiner Ressortforschung Forschungsvorhaben, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen und verschiedene Zielgruppen adressieren, beispielsweise zur internetbasierten Aufklärung junger Menschen über psychische Erkrankungen, zur Suizidprävention oder zur Vermeidung von Zwangsmaßnahmen im psychiatrischen Hilfesystem

Das Wissen muss jedoch besser zusammengeführt und weiterentwickelt werden, um die Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Belastungen zu verbessern. Die Bundesregierung nimmt ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahr und reagiert auf aktuelle Herausforderungen:

Mit der Gründung eines Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit werden deutschlandweit die stärksten Kräfte aus allen relevanten Fachdisziplinen gebündelt.

Es sollen die Voraussetzungen für eine verstärkte Kooperation der einzelnen Einrichtungen, eine engere Verknüpfung der Fachdisziplinen und eine konsequentere Ausrichtung auf die Translation geschaffen werden. Ziel ist es, vielversprechende Forschungsergebnisse schneller weiterzuentwickeln und somit den Menschen rascher zugänglich zu machen.

Public-Health-Forschung ausbauen

In der Public-Health-Forschung bauen wir die zukunftsweisende Strategie aus, Präventions- und Versorgungsmodelle auf verschiedene Bevölkerungsgruppen auszurichten. Die Kinder- und Jugendgesundheit rücken wir ins Zentrum. Außerdem werden wir zum Beispiel Wege zur Förderung der Gesundheit sozial benachteiligter Menschen aufzeigen und Modelle für eine bessere Versorgung auf dem Land entwickeln.

Gesundheitsforschung trägt nicht nur dazu bei, die Beschwerden des einzelnen Erkrankten zu lindern. Vielmehr hat sie auch der Frage nachzugehen, wie die Gesundheit der Bevölkerung bzw. bestimmter Bevölkerungsgruppen insgesamt bestmöglich gestärkt werden kann („Public Health“). Ihr Blick richtet sich dabei sowohl auf die Förderung der körperlichen und psychischen Gesundheit sowie auf die Prävention von Krankheiten als auch auf die Versorgung im Krankheitsfall, das Gesundheitsverhalten und den Einfluss der Lebensumstände oder des Versorgungssystems. Hier greift der „One-Health“-Ansatz:

Mensch, Tier und Umwelt müssen zusammengedacht werden.

Die Gesellschaft muss sich darüber hinaus zunehmend damit auseinandersetzen, wie die Folgen von Zivilisationskrankheiten und Infektionskrankheiten im Hinblick auf die sich rasch verändernden sozialen sowie umwelt-, arbeitsplatz- und lebensstilbezogenen Bedingungen in Zukunft organisatorisch und finanziell bewältigt werden können. Auch hierzu leistet die Forschung im Bereich Public Health einen Beitrag. Für den Einzelnen ist es heute oft schwer zu beurteilen, was die Gesundheit stärkt und was wirklich vor Krankheiten schützt. Aber auch mehr Wissen führt nicht zwangsläufig zu gesundheitsbewusstem Verhalten. Es ist beispielsweise bekannt, wie wichtig regelmäßige körperliche Aktivität oder der Verzehr von Obst und Gemüse für die Gesundheit ist. Dennoch werden die Empfehlungen von vielen Menschen nicht befolgt. Woran liegt das?

Was kann getan werden, damit Menschen gesünder leben? Können beispielsweise digitale Angebote die Menschen dazu veranlassen, ihre Gesundheit mehr „in die eigene Hand zu nehmen“?

Wir wissen aber auch, wie wichtig die Lebensverhältnisse und Lebenswelten der Menschen für ihre Gesundheit sind (Verhältnisprävention). Gesundheitsforschung kann hier Zusammenhänge aufdecken, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und so dazu beitragen, jeder Bürgerin und jedem Bürger unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Wohnort, Bildung oder Einkommen ein gesundes Leben zu ermöglichen. Die Forschungsaufgaben sind breit und vielschichtig und müssen darüber hinaus oft langfristig angegangen werden. Um den Stellenwert der Public-Health-Forschung in Deutschland zu erhöhen, wird die Bundesregierung ihre Aktivitäten in diesem Bereich stärken. Schwerpunkte werden dabei sein:

Die Kinder- und Jugendgesundheit in das Zentrum der Forschung rücken

Die Basis für eine gute Gesundheit im weiteren Leben wird in der Kindheit und der Jugend gelegt. Frühe präventive und therapeutische Maßnahmen, die an die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes angepasst sind, sind daher von besonderer Bedeutung, ebenso wie die Entwicklung kindgerechter Medizinprodukte und Arzneimittel. Wissenschaftlich gesicherte Ansätze fehlen heute jedoch häufig noch. Viele Erkrankungen, die auch bei Erwachsenen auftreten, entstehen und verlaufen bei Kindern und Jugendlichen anders. Auch sind oftmals andere Therapieansätze notwendig, die den körperlichen und psychischen Voraussetzungen sowie der Entwicklung von Heranwachsenden ausreichend gerecht werden. Zudem reagieren Kinder und Jugendliche auf Einflüsse der sozialen und physischen Umwelt besonders sensibel.

Schon im Mutterleib beeinflussen Umweltfaktoren die Entwicklung und Gesundheit des ungeborenen Kindes. Die frühen Phasen des Lebens bieten zahlreiche Ansatzpunkte und Chancen für Gesundheitsförderung, Präventionsmaßnahmen und Therapie.

Mit Kinder- und Jugendgesundheit befassen sich Expertinnen und Experten unterschiedlichster Fachrichtungen. Um zu wirksameren Ergebnissen zu gelangen, müssen diese gezielt zusammenarbeiten. Damit die vorhandenen Kompetenzen noch stärker gebündelt werden, wird die Bundesregierung ein Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit gründen. Hier werden renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den sehr unterschiedlichen Bereichen der Kinder- und Jugendmedizin zusammengeführt. Das Zentrum soll der Forschung eine langfristige Perspektive bieten, um die vielen drängenden Fragen auf diesem Gebiet zu beantworten.

Gesundheitsforschung auf bestimmte Bevölkerungsgruppen ausrichten

Der durch die Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung initiierte Ansatz, nicht die breite Bevölkerung, sondern einzelne Gruppen, zum Beispiel arbeitende oder ältere Menschen, zu betrachten, hat sich bewährt: Indem die Belange der einzelnen Gruppen differenzierter analysiert und beachtet werden, zeigen zum Beispiel die abgeleiteten Präventionsmaßnahmen deutlich mehr Wirkung.

Dieser Forschungsansatz muss künftig erweitert und fortentwickelt werden: Neue Präventions- und Versorgungslösungen werden insbesondere für schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen, wie ältere Menschen mit Migrationshintergrund und neu zugewanderte oder sozial benachteiligte Menschen, benötigt. Ebenso muss geschlechtsbezogenen Besonderheiten Rechnung getragen werden. Darüber hinaus ist die Analyse und Verbesserung des methodischen Vorgehens in der Präventionsforschung notwendig, damit die Menschen besser erreicht werden und verstärkt profitieren können.

Epidemiologische Forschung ausweiten

In Zukunft sollen auf Basis modernster Daten etablierter Kohortenstudien neue Erkenntnisse zur Prävention und Erforschung von Volkskrankheiten gewonnen werden. Mit der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft und den Ländern geförderten bundesweiten NAKO Gesundheitsstudie steht der Gesundheitsforschung in Deutschland beispielsweise ein unermesslicher Datenschatz zur Verfügung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können die von den 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhobenen Daten nutzen, um die Entstehung von Krankheiten besser zu verstehen und Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung in Deutschland zu verbessern.

Neue gesellschaftliche Herausforderungen – angefangen von demografischen Entwicklungen bis hin zu kontinuierlicher Zu- und Abwanderung – sollen sich auch im Gesundheitsmonitoring und in der bevölkerungsbezogenen „Surveillance“ der öffentlichen Gesundheit abbilden. Deshalb soll die Gesundheitsberichterstattung und krankheitsbezogene „Surveillance“ am Robert Koch-Institut auch unter Berücksichtigung von Digitalisierung im Rahmen der Ressortforschung des Bundesministeriums für Gesundheit ausgebaut werden.

Versorgungsforschung stärken

Die Versorgungsforschung nimmt den medizinischen Alltag, die Organisation, die Steuerung und die Finanzierungsfragen der Kranken- und Gesundheitsversorgung in den Blick. Seit 2016 werden mit dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss innovative, sektorenübergreifende Versorgungsprojekte und Vorhaben der praxisnahen Versorgungsforschung substanziell gefördert.

Mit dem Innovationsfonds wird ein besonders umsetzungsnaher Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung geleistet, der sich auch auf die Ergebnisse der Gesundheitsforschung stützt und diese Erkenntnisse mit Blick auf die Regelversorgung nutzt und bewertet.

Die Versorgungsforschung spielt auch in der Ressortforschung des Bundesministeriums für Gesundheit eine zentrale Rolle. Bereits bei der Auswahl der Forschungsvorhaben wird im Interesse der Nachhaltigkeit auf die spätere praktische Umsetzung und mögliche Verstetigung der Ergebnisse und insbesondere deren Umsetzung in die Regelversorgung geachtet. Hierbei werden auch die praktischen Erfahrungen und die Problemlösungskompetenz von Ärztinnen und Ärzten und des medizinischen Fachpersonals sowie von Patientenvertretungen genutzt. Im Bereich der Langzeitpflege fördert das Bundesministerium für Gesundheit eine Vielzahl von Projekten zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird die Versorgungsforschung über Regelversorgung und Pflege hinaus in Bereichen der Grundlagenforschung und Methodenentwicklung sowie durch gezielte Fördermaßnahmen zu forschungspolitisch besonders bedeutsamen Themen unterstützen.

Beispielsweise sollen zu Fragen der Versorgung im ländlichen Raum und zu Fragen der Pflege in Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren sowie Nutzerinnen und Nutzern des Gesundheitswesens vor Ort maßgeschneiderte Lösungen entwickelt werden, die von allen mitgestaltet und deshalb mitgetragen werden. Zudem werden Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Versorgungsforschung besonders gefördert. Patientenbezogene Register sind sehr gut dazu geeignet, das Versorgungsgeschehen unter Routinebedingungen zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Sie gilt es, als wichtiges Instrument der Versorgungsforschung weiter zu berücksichtigen.

Globale Forschungsaufgaben gemeinsam angehen

Globale medizinische Forschungsaufgaben lösen wir in internationalen Kooperationen. Ebola oder Antibiotikaresistenzen kennen keine Grenzen. Wir stärken die Gesundheitssysteme der ärmeren Länder. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir neue Wirk- und Impfstoffe u.a. gegen armutsassoziierte Krankheiten.

Lösungen für die drängendsten Fragen der Gesundheitsförderung und Medizin werden heute nicht mehr in isolierten, rein nationalen Forschungsansätzen entwickelt. Nur auf der Grundlage einer international vernetzten medizinischen Forschung und der Bündelung finanzieller und personeller Ressourcen über Ländergrenzen hinweg können die Herausforderungen unserer Zeit bewältigt werden. Die europäische Zusammenarbeit ist dabei für die Gesundheitsforschung in Deutschland von besonderer Bedeutung. Die Kooperation geht aber häufig noch weiter und umfasst auch Länder wie zum Beispiel Kanada, Australien, die USA oder Israel sowie afrikanische Partner.

Eine der zentralen globalen Herausforderungen ist die Gesundheit der Menschen in Entwicklungsländern.

Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose sowie die regional bedeutsamen, von der Weltgesundheitsorganisation definierten sogenannten „vernachlässigten Tropenkrankheiten“ – hierzu zählen überwiegend armutsassoziierte und zoonotische Infektionskrankheiten – führen dort zu einer hohen Krankheitslast, einer deutlich reduzierten Lebenserwartung und einer erheblichen Einschränkung der Arbeits- und Wirtschaftsleistung. Aber auch psychische Erkrankungen oder sogenannte lebensstilbedingte Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus, sind mittlerweile nicht mehr nur ein Problem der weit entwickelten Länder.

Darüber hinaus sehen sich Industrieländer genauso wie Schwellen- und Entwicklungsländer mit wachsenden globalen Gesundheitsrisiken konfrontiert, die nicht vor Grenzen haltmachen.

Dies betrifft tödliche Epidemien wie Ebola ebenso wie die weltweite Verbreitung von Krankheitserregern, die gegen viele oder sogar alle verfügbaren Arzneimittel Resistenzen entwickelt haben. Etwa zwei Drittel aller Infektionskrankheiten sind sogenannte „Zoonosen“, d.h. Infektionskrankheiten, die von Erregern verursacht werden, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind. Oft werden Infektionskrankheiten durch Insekten, wie Stechmücken, übertragen, die aufgrund der Klimaänderungen auch schon in Deutschland nachgewiesen werden konnten.

Um Lösungen für diese Probleme zu finden, ist es von entscheidender Bedeutung, die lokalen Gegebenheiten und Besonderheiten in den Blick zu nehmen.

In Entwicklungsländern finden sich häufig schlecht entwickelte Gesundheitssysteme mit fehlendem oder unerschwinglichem Zugang zu Untersuchungen, Behandlungen sowie Arzneimitteln. Auch stellen sich zunehmend Herausforderungen für die Patientensicherheit. Gesundheitsforschung kann Erkenntnisse liefern, wie Zugangshindernisse zu Gesundheitsleistungen reduziert und neue Gesundheitsprodukte passend für die jeweiligen lokalen Anforderungen eingeführt werden können. Eine bessere Erforschung der lokalen sozialen Umstände, die bestimmte Erkrankungen begünstigen, ist ebenfalls notwendig. Die Stärkung der Gesundheitssysteme vor Ort stellt dabei eine wichtige Voraussetzung dar, um nachhaltige Fortschritte zu erzielen. Die Bundesregierung unterstützt daher lokale Gesundheitsstrukturen und fördert Synergien mit dem Privatsektor sowie Ansätze zu Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung.

Konkrete Beispiele dafür, dass Innovationen auch tatsächlich in die Anwendung kommen, ist die Förderung von Vorhaben zur Stärkung der Gesundheitslogistik sowie zum Aufbau von Laborkapazitäten durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Mit dem Sonderprogramm „Gesundheit in Afrika“ unterstützt es beispielsweise afrikanische Partnerländer dabei, sowohl ihre Reaktionsmöglichkeiten im Krisenfall zu verbessern als auch ihre Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken.

# Internationale Kooperationen stärken

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erarbeitet Empfehlungen zur Errichtung internationaler Kooperationsmechanismen, um die globalen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Nur ein übergreifendes international abgestimmtes Engagement zwischen einzelnen Staaten – auch im Rahmen der G7- und G20-Diskussionen, auf Ebene der Europäischen Union und global unter Einbeziehung der jeweils am stärksten betroffenen Länder – kann weltweit die Krankheitslast senken.

Damit kann eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Entwicklung und nachhaltige Teilhabe geschaffen werden. Dies gilt insbesondere auch für globale Forschungsaufgaben, die wir gemeinsam mit unseren Partnern in Europa und der Welt angehen wollen. Im Sinne des „One-Health“-Konzepts ist dabei die Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Gebieten, wie der Human- und Veterinärmedizin sowie Biologie- und Umweltwissenschaft, entscheidend. Schwerpunkte werden dabei sein:

Entwicklung innovativer Arzneimittel und Impfstoffe in internationaler Zusammenarbeit vorantreiben

Die Entwicklung neuer Arzneimittel und Impfstoffe ist zeit- und kostenintensiv. Für bestimmte Arzneimittel stehen den hohen Investitionen für Forschung und Entwicklung nur sehr begrenzte Einnahmeerwartungen gegenüber. Dies gilt beispielsweise für Impfstoffe und Arzneimittel, die nur selten eingesetzt werden, zum Beispiel „Reserveantibiotika“, oder die vornehmlich in wirtschaftlich schwachen Regionen eingesetzt werden sollen, zum Beispiel Arzneimittel gegen Tropenkrankheiten. Die wirtschaftlich orientierte Pharmaindustrie kann diese Entwicklung daher nicht – oder zumindest nicht allein – leisten. Die Folgen dieses Dilemmas wurden während des Ebola-Ausbruchs 2014/15 deutlich: Kandidaten für Ebola-Impfstoffe waren vorhanden, sie konnten aber nicht zu Ende entwickelt werden. Es hat sich gezeigt:

Die Erforschung und Entwicklung neuer Arzneimittel und Impfstoffe gegen bestimmte Krankheiten brauchen, wenn für sie keine wirtschaftlichen Anreize bestehen, einerseits öffentliche Geldgeber und andererseits das unersetzbare Know-how der Privatwirtschaft.

Forschung und Entwicklung dürfen nicht erst im Krisenfall in Gang gesetzt werden, sondern müssen frühzeitig im Rahmen von Präventionsmaßnahmen vorangetrieben werden. Alle Beteiligten haben aus dieser Situation gelernt und wollen künftig besser zusammenarbeiten und sich abstimmen.

# Produktentwicklungspartnerschaften

Nicht gewinnorientierte, internationale Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) aus Industrie, Akademie sowie öffentlichen und privaten Geldgebern zeigen einen Weg auf. Deshalb unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits seit 2011 mehrere dieser PDPs, zum Beispiel bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria oder für neue und nebenwirkungsarme Medikamente gegen die afrikanische Schlafkrankheit.

# Internationale Koalition zur Entwicklung neuer Impfstoffe

Ein weiteres partnerschaftliches Modell ist die international aufgestellte „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI), die in kurzer Zeit und mit substanzieller Unterstützung der Bundesregierung wichtige Impfstoffe gegen Erreger mit hohem Bedrohungspotenzial (ähnlich Ebola) entwickeln wird. Dabei orientiert sich CEPI an einer Prioritätenliste der Weltgesundheitsorganisation, die regelmäßig aktualisiert wird.

Neben der Entwicklung konkreter Impfstoffe werden auch neue Technologieplattformen gefördert, die zukünftig eine deutlich schnellere Bereitstellung von Impfstoffen in Krisensituationen ermöglichen sollen.

Wesentliche Voraussetzung für die Förderung der genannten Initiativen mit öffentlichen Mitteln ist die Sicherstellung eines gerechten Zugangs für die Betroffenen zu den entwickelten Produkten.

Ein neues Finanzierungsmodell als innovativer Weg der Forschungsförderung ist der „Global Health Investment Fund“, der auf Initiative der Bill und Melinda Gates Stiftung eingerichtet wurde und an dem von deutscher Seite das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beteiligt ist. Ziel ist es, über die Finanzierung der Entwicklung und Markteinführung erschwinglicher Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika zur Bekämpfung vernachlässigter und armutsassoziierter Erkrankungen beizutragen.

# Erster „Social Impact Fund“ im Gesundheitssektor

Gleichzeitig soll eine moderate Rendite erzielt werden, die reinvestiert wird. Erfolgreiche Investitionen erfolgten u.a. in einen oralen Cholera-Impfstoff sowie ein neues Medikament gegen Flussblindheit; diese Investitionen verdeutlichen das große Potenzial dieses ersten „Social Impact Fund“ im Gesundheitssektor.

Als Public Private Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und der europäischen Pharmaindustrie erleichtert die „Innovative Medicines Initiative“ die Zusammenarbeit der wichtigsten Akteurinnen und Akteure der Gesundheitsforschung, einschließlich Universitäten, Forschungszentren, der pharmazeutischen Industrie, kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), Patientenorganisationen und regulatorischer Behörden. Die Partnerinnen und Partner arbeiten daran, die Entwicklung von und den Zugang zu innovativen Arzneimitteln insbesondere in Bereichen, in denen der medizinische oder soziale Bedarf groß ist, zu beschleunigen.

Forschung und Entwicklung in internationaler Partnerschaft verlangen verlässliches und langfristiges Engagement, das über konkrete nationale Interessen hinausgeht.

Mit der Unterstützung gleich mehrerer vielversprechender Modelle für eine zügige und effiziente Entwicklung neuer Wirkstoffe wird die Forschungsförderung des Bundes diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden.

Strategien zur Vorbeugung und Behandlung vernachlässigter, armutsassoziierter Erkrankungen gestalten

Nur zum Teil ist die besondere Problemlage der Menschen in Entwicklungsländern auf fehlende oder nur begrenzt wirksame Arzneimittel und Impfstoffe zurückzuführen. Beispielsweise ist Malaria nicht wegen fehlender Arzneimittel eine der weltweit bedrohlichsten Infektionskrankheiten, sondern weil schnelle und sichere Diagnosemöglichkeiten vor Ort fehlen, die Behandlung falsch oder zu spät erfolgt und sich Patientinnen und Patienten die Behandlung oft nicht leisten können. 

Auch die in Europa bereits erfolgreich bekämpfte Tollwut fordert jährlich noch etwa 60.000 Tote weltweit, insbesondere in unterversorgten Regionen in Afrika und Asien.

Eine gezielte Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern kann nur durch systematische Untersuchungen zur Wirksamkeit von Maßnahmen unter realen Bedingungen erfolgreich sein.

# Forschungssysteme stärken

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten „Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen“ in Subsahara-Afrika und die europäisch-afrikanische Forschungsförderinitiative „European and Developing Countries Clinical Trials Partnership“ (EDCTP) setzen hier an. Sie stärken nicht nur die Forschungssysteme der afrikanischen Partnerländer, sondern sie haben zusätzlich positive Effekte auf die Gesundheitsversorgung und die Ausbildung von Forscherinnen und Forschern sowie Gesundheitspersonal vor Ort.

Gemäß dem „One-Health“-Konzept arbeiten die Weltgesundheitsorganisation, die Weltorganisation für Tiergesundheit, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie die Global Alliance for Rabies Control als „United Against Rabies Collaboration“ im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen an einem gemeinsamen Aktionsplan „Zero by 30“, um die Hundetollwut und die durch sie verursachten menschlichen Opfer zu stoppen.

Auch werden schon in einigen Ländern gemeinsame Ausbildungsmaßnahmen für den Human-, Tier- und den Umweltbereich durchgeführt, um Krankheitsbekämpfung über alle drei Bereiche zu optimieren. Zukünftig wird die Forschungsförderung verstärkt Implementierungsforschung und Public-Health-Aspekte in Entwicklungs- und Schwellenländern in den Blick nehmen.

Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten national und weltweit eindämmen und Antibiotikaresistenzen reduzieren

In vielen Regionen der Welt sind Infektionskrankheiten wie Ebola und Vogelgrippe weiterhin lebensbedrohlich. Aber auch in Deutschland zählen Infektionen, zum Beispiel als Komplikationen nach Operationen oder bei immungeschwächten Patienten, weiterhin zu den Haupttodesursachen.

Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten dient dem Gesundheitsschutz von Mensch und Tier und ist daher von besonderer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Ohne zügiges und kontinuierliches Gegensteuern haben Infektionen das Potenzial, für die Menschheit eine größere Bedrohung zu werden als zum Beispiel Krebserkrankungen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gehen von künftig bis zu 10 Millionen Todesfällen jährlich aus. Im Fall einer Epidemie sind vor allem unmittelbares medizinisches Handeln und enge Überwachung nötig, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

# Verbreitungswege erforschen

Benötigt wird aber ebenfalls eine unmittelbar einsetzende epidemiologische Forschung, die Verbreitungswege aufzeigt, Kontaktpersonen von Erkrankten ermittelt und so wichtige Daten für den gezielten Einsatz von Gesundheitsinterventionen liefert.

PatientennutzenIn vergangenen Jahrhunderten dauerte es Jahre bis sich Epidemien von einem Teil der Erde in den anderen ausbreiteten. Heute hat sich die Mobilität von Menschen, Gütern und Dienstleistungen erhöht und immer mehr Menschen leben auf engem Raum zusammen. Dies beschleunigt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Um Pandemien zu verhindern und Erreger frühzeitig zu bekämpfen, braucht es exzellente Forschung. Diagnostische Verfahren, Impfstoffe und Therapien müssen entwickelt, Verbreitungswege erfasst und Gegenmaßnahmen entworfen werden. Impfstoffe und Arzneimittel müssen vor Ort – in allen Ländern weltweit – ausreichend zur Verfügung stehen. So können Krankheitslast und Todesfälle, aber auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Epidemien verringert werden.

Vor allem in den Zeiten zwischen Krankheitsausbrüchen ist Forschung unerlässlich. Denn dann müssen die Weichen für die Verhinderung oder Begrenzung der nächsten Ausbrüche gestellt werden.

Es gilt, dringend benötigte Arzneimittel und diagnostische Werkzeuge weiterzuentwickeln und die Faktoren in Umwelt und Gesellschaft zu untersuchen, die Ausbrüchen Vorschub leisten. So werden beispielsweise im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung effektive und schnellere Detektionssysteme entwickelt, die dazu beitragen, die Ausbreitung gefährlicher Substanzen in Trinkwasser und Lebensmitteln und damit die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Insgesamt ist eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin sowie Umwelt- und weiteren Naturwissenschaften im Sinne des One-Health-Ansatzes notwendig.

# Antimikrobielle Resistenzen

Mit der Gründung des „Global AMR R&D Hubs“, einer internationalen Plattform zur Forschungskoordination und -intensivierung, wurde zudem die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen auf eine globale Ebene gehoben. Der Global AMR R&D Hub bringt Regierungen und große Fördermittelgeber unterschiedlicher Weltregionen zusammen, um sich auf politischer Ebene zum Thema Forschung und Entwicklung zu antimikrobiellen Resistenzen gegenseitig zu informieren und zu koordinieren.

Die zukünftige Infektionsforschung muss vielfältigen Anforderungen genügen: Die Wirkstoffentwicklung gegen noch nicht (hinreichend) behandelbare Erreger, der Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen und die weitere Erforschung zoonotischer Infektionskrankheiten – unter anderem unter dem Dach der Forschungsplattform für Zoonosen – müssen verstärkt mit der Forschung zur Ausbruchsprävention und -bekämpfung sowie Implementierungsforschung Hand in Hand gehen. Um mit den vorhandenen Ressourcen die bestmöglichen Erfolge zu erzielen, müssen interdisziplinäre Kooperationen sowohl auf nationaler Ebene als auch in internationaler Zusammenarbeit intensiviert werden.